Zahlen, die unter die Haut gehen
Der Gehsteig wird nicht vom Bezirk bezahlt — die Kosten werden auf die betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner umgelegt. Was das im Einzelfall bedeutet, lässt sich in konkreten Zahlen ausdrücken:
Viele Anwohnerinnen und Anwohner empfinden das als Zumutung. Man verpflichtet sie zu massiven Kosten — für eine Maßnahme, deren Notwendigkeit und Verhältnismäßigkeit bis heute nicht überzeugend begründet wurde.
Ein teures Ergebnis — mit neuen Problemen
Wofür zahlen die Anwohnerinnen und Anwohner diese Summen? Das Ergebnis des geplanten Ausbaus lässt sich nüchtern beschreiben:
- 2 Meter Gehsteig — der gleichzeitig bestehende Barrierefreiheit vernichtet (Einfahrten, Grünflächen, Abstandszonen)
- Vereinzelte Parkplätze daneben — die die verbleibende Fahrbahn weiter einengen
- Rund 3 Meter Restfahrbahn — für Zweirichtungsverkehr, Radfahrende und Autos gemeinsam
Die unvermeidliche Konsequenz: Wer würde seinem Kind ernsthaft empfehlen, auf dieser 3-Meter-Restfahrbahn im Gegenverkehr zu radeln? Niemand. Kinder — und viele Erwachsene — werden aus Sicherheitsgründen auf den Gehsteig ausweichen. Genau jenen Gehsteig, dessen Schutz die Maßnahme angeblich bezweckt.
Das Konfliktpotential zwischen Fußgängerinnen und Radfahrenden wird also nicht gelöst — es wird mit erheblichem finanziellem Aufwand für die Anwohnerschaft neu verteilt.
Echte Hotspots werden ignoriert
Besonders bitter: Während Anwohnerinnen der Seidelbastgasse für einen Gehsteig in einer ruhigen Wohnstraße tief in die Tasche greifen müssen, bleiben Stellen mit wirklich akuter Gefährdung unangetastet.
Die unmittelbar angrenzende Straße „Am Mühlwasser" weist auf einer Länge von einem Kilometer einen Gehweg auf, der laut Krone-Bericht (Jänner 2025) nicht mehr benutzbar ist. Mütter mit Kinderwagen, Rollstuhlfahrerinnen und Menschen mit Rollator müssen dort auf der stark befahrenen Fahrbahn gehen — und riskieren ihr Leben.
„Wir haben das überprüfen lassen und sowohl die Verkehrsbehörde als auch die Straßenbauabteilung haben festgestellt, dass der technische Fahrbahnzustand und die verkehrsorganisatorische Situation keinen akuten Handlungsbedarf erfordern — auch wenn der Fahrbahnzustand nicht optimal ist. Die zur Verfügung stehenden Ressourcen reichen nicht aus."— Büro Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy (SPÖ), zitiert nach krone.at, 22.1.2025
Für „Am Mühlwasser" — mit realem Gefährdungspotential — fehlen die Ressourcen. Für die Seidelbastgasse — mit fraglichem Bedarf — sind Kostenbescheide im fünfstelligen Bereich kein Problem. Das ist eine Frage der Prioritäten. Und der Bürgernähe.
Kein Einzelfall — eine Methode
Was die Anwohnerinnen und Anwohner der Seidelbastgasse erleben, ist kein bedauerlicher Einzelfall. Es ist das Ergebnis einer Planungspraxis, die ohne ernsthafte Erhebung vor Ort auskommt — und bei der politischer Wille die Sachgrundlage ersetzt.
Wenn eine Behörde Maßnahmen anordnen kann, ohne den tatsächlichen Bedarf zu erheben, ohne die Auswirkungen auf Radverkehr und Barrierefreiheit zu prüfen, und ohne die Verhältnismäßigkeit der Kosten zu hinterfragen — dann kann das jede Anwohnerin und jeden Anwohner in der Donaustadt treffen. Jede Straße. Jedes Haus.
Die entscheidende Frage ist nicht, ob Ihr Gehsteig gerade betroffen ist. Die Frage ist: Nach welchen Kriterien wird entschieden, wer als nächstes einen Bescheid erhält — und eine Rechnung im fünfstelligen Bereich? Solange das nicht transparent und nachvollziehbar geregelt ist, ist niemand sicher.
Genau deshalb geht es bei dieser Bürgerinitiative um mehr als die Seidelbastgasse. Es geht darum, wie Verwaltungsentscheidungen in Wien getroffen werden — und ob Bürgerinnen und Bürger dabei eine faire Chance haben, gehört zu werden.