Warum der Lobautunnel für die Donaustadt besonders schädlich ist
Die Donaustadt gilt als einer der grünsten, familienfreundlichsten und landschaftlich wertvollsten Bezirke Wiens. Genau deshalb würde der geplante Lobautunnel – Teil der sogenannten Stadtautobahn – eine Vielzahl an massiven Problemen verursachen. Das Projekt gefährdet Natur, Wasser, Klima und Lebensqualität und bringt dem Bezirk kaum Vorteile, dafür aber langfristige Belastungen.
1. Ein drastischer Anstieg des Durchzugsverkehrs
Der Lobautunnel würde keinen Verkehr reduzieren – er würde neuen Verkehr anziehen. Weltweite Verkehrsstudien zeigen eindeutig, dass neue Straßen zu „induzierter Nachfrage“ führen: mehr Autos, mehr Transporte, mehr Lärm.
- Die Donaustadt würde zur Durchzugsregion zwischen dem Marchfeld, der Südosttangente und neuen Autobahnverbindungen.
- Statt Entlastung gäbe es mehr Stau auf Zufahrtsstraßen wie Erzherzog-Karl-Straße, Wagramer Straße oder Breitenleer Straße.
- Der Bezirk verliert Lebensqualität durch mehr Abgase und steigende Feinstaubbelastung.
2. Bedrohung für den Nationalpark Donau-Auen
Der Lobautunnel verläuft direkt unter einem der empfindlichsten Ökosysteme Europas: der Lobau, einem international geschützten Nationalpark und wichtigen Teil der Donau-Auen. Selbst unterirdische Bauwerke können gravierende Auswirkungen haben.
- Veränderte Wasserströme können den Auwald langfristig austrocknen.
- Die Baulogistik benötigt große Flächen, Zufahrten und Zwischendeponien in sensiblen Bereichen.
- Erschütterungen und Setzungen bedrohen seltene Tier- und Pflanzenarten.
- Das Naherholungsgebiet der Donaustädter Familien wird dauerhaft beschädigt.
3. Risiko für das Grundwasser – Wasserschutzgebiet in Gefahr
Unter der Lobau befindet sich eines der wertvollsten Grundwasserspeichergebiete Wiens. Die Gutachten sind sich einig: Keine technische Planung der Welt kann garantieren, dass ein Tunnelbau ohne Risiken bleibt. Schon geringfügige Veränderungen im unterirdischen Wasserhaushalt können irreversible Schäden verursachen.
- Die Grundwasserströme sind komplex und nicht vollständig erforscht.
- Ein Baufehler oder unerwartete geologische Effekte könnten die Trinkwasserversorgung beeinträchtigen.
- Die Lobau könnte langfristig austrocknen – ein ökologisches Desaster.
- Das Risiko steht in keinem Verhältnis zu einem fragwürdigen Verkehrsnutzen.
4. Schlecht für die lokale Wirtschaft in der Donaustadt
Autobahnen führen Verkehr vorbei – nicht zu Betrieben. Geschäfte, gastronomische Betriebe und Nahversorger in der Donaustadt leben davon, dass Menschen durch die Geschäftsstraßen fahren, anhalten, einkaufen. Ein Tunnel hingegen leitet den Verkehr unterirdisch an ihnen vorbei.
- Lokale Betriebe verlieren Sichtbarkeit und Kundschaft.
- Durchzugsautobahnen stärken Einkaufszentren an Autobahnabfahrten, nicht die Nahversorgung im Bezirk.
- Die Donaustadt verliert regionale Kaufkraft, Arbeitsplätze und wirtschaftliche Stabilität.
5. Massive Flächenversiegelung mitten in der Klimakrise
Die Donaustadt ist bereits einer der am stärksten versiegelten Bezirke Wiens. Jede weitere Betonfläche verschärft die Auswirkungen der Klimakrise – besonders Hitzebelastung und Überflutungsgefahr.
- Versiegelung führt zu Überhitzung im Sommer und Hitzeinseln.
- Verlust von Acker- und Grünflächen schwächt lokale Landwirtschaft und Artenvielfalt.
- Regenwasser kann schlechter versickern, Überflutungen werden wahrscheinlicher.
- Gerade in einem wachsenden Bezirk sind Grünräume essentiell – keine zusätzlichen Betonflächen.
6. Familienfreundlichkeit und Lebensqualität stehen auf dem Spiel
Die Donaustadt ist ein Bezirk, in dem Kinder, Familien und Natur eng miteinander verbunden sind. Ein Großprojekt wie der Lobautunnel läuft den Zielen eines lebenswerten, grünen Bezirks entgegen.
- Mehr Lärm und Abgase direkt oder indirekt in Wohngebieten.
- Mehr Verkehr auf Zubringerstraßen – gefährlichere Schulwege.
- Weniger Ruhe, weniger Natur, weniger Erholungsqualität.
- Gesundheitsbelastungen für Kinder und ältere Menschen steigen.
7. Keine echte Verkehrsentlastung – falscher Ansatz
Der Verkehr in der Donaustadt wächst, weil der Bezirk wächst – nicht, weil zu wenige Straßen existieren. Ein zeitgemäßer Bezirk braucht vor allem starken öffentlichen Verkehr und sichere Alternativen zum Auto.
- Ausbau von S-Bahn, U-Bahn und Straßenbahnlinien bringt mehr Entlastung als neue Autobahnen.
- Sichere Radwege und fußgängerfreundliche Straßen senken Autonutzung im Alltag.
- Schnelle Regionalbusse und Park-&-Ride-Lösungen können Pendlerströme sinnvoll organisieren.
- Jeder investierte Euro in Öffis hat langfristig mehr Nutzen als ein Euro in Tunnelsysteme.
8. Enorme Kosten – fraglicher Nutzen
Der Lobautunnel wäre eines der teuersten Infrastrukturprojekte Österreichs – mit einem Nutzen-Kosten-Verhältnis, das von vielen Fachleuten als äußerst ungünstig beschrieben wird.
- Milliardenkosten für Bau, Wartung und Betrieb.
- Kaum relevanter Zeitgewinn für Pendler in Stoßzeiten.
- Ökologische Schäden werden in klassischen Kosten-Nutzen-Rechnungen meist nicht vollständig berücksichtigt.
- Das Geld fehlt bei sinnvolleren Projekten – etwa im Bildungs-, Gesundheits- und Öffi-Bereich.
9. Klimapolitisch aus der Zeit gefallen
Eine neue Autobahn mitten in der Klimakrise zu bauen, widerspricht nahezu allen nationalen und kommunalen Klimazielen. Ziel ist ein Verkehrssystem, das CO₂-Emissionen reduziert – der Tunnel würde sie erhöhen.
- Mehr Autoverkehr bedeutet mehr CO₂-Ausstoß.
- Der Betrieb eines langen Tunnels benötigt viel Energie.
- Die Verkehrswende wird um Jahrzehnte verzögert.
- Der Bezirk bindet sich an eine veraltete Mobilitätslogik, statt zukunftsorientiert zu handeln.
10. Zukunftschancen für kommende Generationen werden verbaut
Der Lobautunnel schafft Strukturen, die für viele Jahrzehnte bestehen. Statt in nachhaltige Mobilität, Bildung, Grünräume oder moderne Infrastruktur zu investieren, fließen Milliarden in ein Verkehrssystem, das schon jetzt als veraltet gilt.
Eine wirklich lebenswerte Donaustadt braucht:
- schattige Parks, statt weiterer Betonflächen,
- intakte Nationalparks, statt riskanter Tunnelbauten,
- starke Öffis, statt immer mehr Autoverkehr,
- lebendige Ortskerne mit Nahversorgung, statt Autobahnzubringer.
Fazit: Der Lobautunnel löst kein Verkehrsproblem – er verschiebt es nur, und macht es größer. Für die Donaustadt bedeutet er mehr Verkehr, mehr Belastung, mehr Risiko und weniger Lebensqualität.
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